Rohstoffpolitik und Extraktivismus
Rohstoffpolitik und Extraktivismus

Rohstoffe sind auch im 21. Jahrhundert eines der wichtigsten Schmiermittel der Weltwirtschaft. Ende des letzten Jahrzehnts machte der Rohstoffhandel rund ein Drittel des gesamten Weltgüterhandels aus. Deutschland wie auch viele weiteren Länder des globalen Nordens sind von Rohstoffimporten abhängig. Dem gegenüber stehen vor allem die Länder des Globalen Südens, die sich auf den Abbau von Rohstoffen und den Export dieser Primärgüter spezialisiert haben: mehr als 50% der Länder dieser Erde sind abhängig von Rohstoffexporten und in diesen Ländern lebt derzeit ca. 25% der Weltbevölkerung.

Rohstoffextraktivismus ist riskant, „dirty“ und krisenanfällig: Meist sind es einige wenige Rohstoffe, die ganze Volkswirtschaften und deren Gesellschaften prägen. Dies geht mit enormen Problemen für Umwelt und Natur einher. Zudem ist die Preisentwicklung für Rohstoffe volatil und führt zu wirtschaftlichen, politischen und sozialen Verwerfungen, wie viele Staaten im letzten Jahrzehnt schmerzhaft erfahren mussten. Jene Veredelungsstufen, die am meisten Wert abschöpfen, befinden sich oft in den Ländern des Globalen Nordens (z.B. Rösten von Kaffeebohnen) oder werden von transnationalen Unternehmen aus dem globalen Norden kontrolliert (z.B. in der Erdölraffinerie). Wiederkehrende Einnahmeausfälle aus Rohstoffexporten führen dann zu sinkenden Einnahmen exportierender Staaten und damit oft zur Prekarisierung der Lebens- und Arbeitsbedingungen breiter Bevölkerungsschichten.

Das Fachgebiet erforscht empirisch und konzeptionell internationale Rohstoffpolitik sowie Ursachen, Dynamiken, Ausprägungen und Wirkungen des Extraktivismus in Ländern des Globalen Südens. Fragen, wie Rohstoffe und Extraktivismus, vorhandene Entwicklungsideen und -verständnisse, aber auch ökonomische, politische und soziale Strukturen beeinflussen und damit über Entwicklungsmöglichkeiten und -blockaden mitentscheiden, stehen im Vordergrund.

Mehr zu diesem Forschungsschwerpunkt lesen Sie auch in unseren Publikationen:

Dietz, K. & Engels, B. (Eds.) (2017). Contested Extractivism, Society and the State: Struggles over Mining and Land. Palgrave-Macmillan.

Burchardt, H.-J., Domínguez, R., Larrea, C. & Peters, S. (Eds.) (2016). Nada dura para siempre: Neo-extractivismo tras el boom de las materias primas. UASB-ICDD.